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Judith

Ja, Geduld hat Gott auch wirklich gebraucht mit mir – viel Geduld. Und dann hat er gewirkt: Was sich innerhalb von knapp einem halben Jahr ereignet hat, ist für mich fast unfassbar und ein grosses Wunder. Mein ganzes Leben wurde durchgeschüttelt, auf den Kopf gestellt und neu ausgerichtet.

Ich heisse Judith Stettler und bin am 30. Januar 1998 in Meinisberg als jüngste von drei Schwestern zur Welt gekommen. Mit meiner Familie besuchte ich während der Schulzeit die Gottesdienste der Orpund-Kirche, später wechselten wir in die GfC (Gemeinde für Christus), fühlten uns aber auch dort nie ganz zuhause.

Das war auch die Zeit, in der ich viel lieber mit meinen Kollegen in den Ausgang ging, und mir der Glaube immer weniger wichtig wurde und ich nicht mehr bewusst mit Gott unterwegs war.

Damals befand ich mich in meiner Ausbildung zum Koch im Alters- und Pflegezentrum La Lisière in Leubringen. Mein Chef war Christ und hat sehr viel in mich investiert. Durch ihn konnte ich an verschiedenen Orten, wie zum Beispiel im „Bellevue Palace“ in Gstaad oder bei René Schudel, ein Praktikum absolvieren. Auf seinen Rat hin habe ich nach meinem Abschluss noch die Lehre als Konditor/Confiseur in Nidau, wo ich auch wohnte, angehängt. Obwohl ich immer das Gefühl hatte, dass es nicht das ist, was ich eigentlich machen möchte, habe ich danach in der Suteria-Confiserie in Solothurn gearbeitet.

Vielleicht lohnt es sich ja doch?

Auf Drängen von meiner Schwester Tabea und ihrem Mann Florian besuchte ich 2018 die Days of Hope der HOPE & LIFE CHURCH und war dann etwa zwei oder dreimal am Sonntag in einer Celebration. Danach verging fast ein Jahr, bis ich 2019 wieder die Days of Hope besuchte. Meine Schwester hatte mir von Andrina Röthlisberger erzählt, einer jungen Frau, die schwer krank gewesen war. Gott hatte sie im letzten Jahr während den Days of Hope geheilt und mittlerweile arbeitete sie sehr engagiert in der Kirche mit.

Das hat mich sehr beeindruckt und ich dachte mir, dass es sich vielleicht doch lohnen könnte, regelmässig in die Kirche zu gehen.

So besuchte ich mit Täbi und Flöru jeweils die Morgen-Celebrations. Ich habe mich einerseits sehr wohl und willkommen gefühlt, andererseits aber fehlte mir der Kontakt zu Gleichaltrigen. Und dann erreichte Corona die Schweiz und damit der erste Lockdown im März. Andrina hat in dieser Zeit eine Online-Smallgroup gegründet und mich ebenfalls dazu eingeladen. Diese regelmässigen Kontakte und der Austausch mit Frauen in meinem Alter haben mich darin bestätigt, dass ich Teil dieser Kirche werden möchte.

Als die Kirche nach dem Lockdown wieder öffnete, hat es bei mir irgendwie „Klick“ gemacht. Mir wurde bewusst, dass ich mich in die Kirche investieren möchte und damit auch neue Leute kennenlernen kann. Als mich Mirianne Fisch fragte, ob ich bei den „Champions“ (das ist das Kinderprogramm für Kinder ab der ersten Klasse der HOPE & LIFE CHURCH) mithelfen möchte, habe ich sofort zugesagt. Ebenfalls in dieser Zeit bekam ich die Anfrage, ob ich nicht eine WG mit einigen jungen Frauen aus der Kirche gründen möchte. Je konkreter es aber mit der Wohnungssuche wurde, desto kältere Füsse habe ich bekommen. Ich habe mich entschieden, meine Wohnung in Nidau zu behalten und damit auch einen Teil meines „alten“ Lebens. Ich war noch nicht bereit, mein gewohntes Umfeld ganz aufzugeben.

Ich will Vollgas geben!

Dann kam im Januar der zweite Lockdown und die Tür zur Kirche war wieder zu. Doch dieses Mal habe ich den Fokus nicht verloren und mich nach der erneuten Öffnung im Mai ganz in die Kirche investiert.

Durch die „Champions“ und die Smallgroup habe ich viele Leute kennengelernt und Freunde gefunden. Mittlerweile hatte ich meinen Job in der Konditorei aufgegeben und arbeitete mit beeinträchtigten Menschen in einem Inklusions-Restaurant (ein Restaurant, welches auch Menschen mit Beeinträchtigungen angestellt hat). Ich musste von Anfang an viel Verantwortung übernehmen und diese Belastung sowie die häufigen Spätdienste wurden mir zu viel. Da ich in dieser Zeit jegliche Freude verloren habe und es mir nicht gut ging, habe ich nach 2,5 Monaten wieder gekündigt. Zudem musste ich mich damit auseinandersetzen, dass mein damaliger Freund kein Verständnis für meinen Glauben aufbrachte und ich das Gefühl hatte, dass er mich daran hinderte, so richtig Vollgas zu geben. An einem Sonntag Mitte August habe ich mich von ihm getrennt. Am selben Abend nahm ich an der Young Adults Celebration teil – ich musste Kirche fühlen. Und während der Celebration kam der Slide für die Taufe am 29. August. Ich spürte, wie Gott direkt in mein Herz sprach und ich wusste, dass das mein nächster Schritt sein würde. Ich wollte mich in zwei Wochen taufen lassen!

Gleichzeitig kam die erneute Anfrage der WG-Frauen, und dieses Mal habe ich zugesagt, Mitte September 2021 nach Hasle zu ziehen. Zudem hatte ich eine neue Stelle als Koch im Restaurant „Tavolo“ in Lyssach bekommen.

Gott so nah

Dann endlich war der 29. August da. Ich liess mich taufen und habe Gott neu mein Herz geschenkt.

Die Taufe war für mich sehr emotional und ich habe mich Gott noch nie so nah gefühlt wie in diesem Moment.

Mittlerweile war Anfang Oktober und ich hatte meine neue Stelle angetreten. Aber Gott hatte noch mehr Veränderungen vor und stellte Luca, einen jungen Mann aus unserer Kirche, in mein Leben. Ihn hatte ich schon vor drei Jahren kennengelernt, aber bei einem ersten und einzigen Treffen war es damals geblieben. Als Luca nun wieder anfing, mir zu schreiben, passierte um mich herum gerade so viel, dass ich nicht recht wusste, was ich tun sollte. Nach unserem ersten Treffen war ich einerseits über beide Ohren verliebt, andererseits machte mir das Tempo, mit dem sich alles um mich herum veränderte, irgendwie auch Angst. Doch Gott hat mir gezeigt, dass das alles zu seinem Plan gehört und ich wagte einen weiteren mutigen Schritt: Luca und ich sind seit dem 16. Oktober 2021 zusammen. Wir sind überzeugt, dass Gott uns beide erst jetzt zusammengeführt hat, wo wir beide wissen, wo wir im Leben stehen und was uns wichtig ist. Eigentlich habe ich schon so viele Wunder erleben dürfen, aber Gott hatte noch ein weiteres für mich bereit: Ich bekam ganz überraschend das Angebot für eine Stelle in der KALCHOFEN Kita. Auch hier folgte ich Gottes Stimme und sagte zu. Mittlerweile habe ich im Restaurant Tavolo meinen letzten und in der Kita meinen ersten Arbeitstag bereits hinter mir.

Ich kann das alles immer noch fast nicht glauben und bin Gott unendlich dankbar, dass er so in mein Leben eingegriffen hat. Ich bin sehr gespannt und offen für alles, was er noch für mich bereit hat.

 

Redaktorin: Mirjam