Ich heisse Tina und ich darf mit meinen zwei Kindern, 20 und 17 Jahre alt, in einem Doppeleinfamilienhaus auf dem Land leben.
Als Kind wohnte ich in der Agglomeration und bin auch dort zur Schule gegangen. Ich erlebte eine schöne Kindheit und durfte mit drei Schwestern und einem Bruder als Älteste in einem familienfreundlichen Quartier aufwachsen. Meine Mama gab uns auch ihren Glauben weiter. Ebenso habe ich ein Grosi, die immer für uns betete, und das bis heute macht.
Als ich 18 Jahre alt war, starb meine Mama mit 39 Jahren an einer seltenen Lungenkrankheit.
Das war ein gewaltiger Einschnitt in unser Leben.
Meine Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt noch alle in der Schule, die jüngste Schwester war erst drei Jahre alt. Durch den Verlust unserer lieben Mama habe ich als Älteste viel Verantwortung übernommen. Zusammen mit meinen Grosseltern, haben wir dann entschieden, dass ich zu ihnen zog, damit ich mich auf meine Ausbildung zur Pflegefachfrau fokussieren konnte.
Wir erfuhren grosse Unterstützung im Quartier und von unseren Grosseltern. Unser Familienzusammenhalt ist bis heute stark geblieben.
Ich war in dieser Zeit in einer Kirche im Worship Team tätig, und das hat mir sehr geholfen.
Das Anbeten von Gott durch die Lieder richtete meinen Fokus auf ihn.
Das trug mich durch diese schwere Zeit. Ich spürte einen Frieden und durfte immer die Gewissheit haben, dass ich meine Mami einmal wiedersehen darf. Diese Hoffnung ist bis heute mein grösster Trost.
Damals, als meine Mutter gestorben ist, bekam ich eine Karte mit dem Text «Spuren im Sand». Darauf steht, dass Gott uns durch die schlimmsten Zeiten trägt. Das hat mir immer wieder Kraft gegeben, und ich wusste, dass Gott auch mich trägt und mich nie allein lässt.
Der Tod meiner Mutter ereignete sich, während ich mitten in der Ausbildung zur Pflegefachfrau war. Durch das einschneidende Erlebnis sanken meine schulischen Leistungen und ich musste die Ausbildung abbrechen. Durch eine Kollegin kam ich auf die Spitex. Ich wusste sofort, dass das das Richtige für mich ist. So entstand meine Leidenschaft für die älteren Menschen.
In dieser Zeit lernte ich einen Mann kennen und wurde mit 21 Jahren ungeplant schwanger. Nun begann für mich eine Zerreissprobe zwischen der Kirche und meinem damaligen Freund, dem Vater meines Kindes, der seinerseits keinen christlichen Hintergrund hatte. Es war für mich eine schwierige Zeit. Ich liebte es, im Worship Team zu sein und war kurz davor, dort die Leitung zu übernehmen, aber schlussendlich musste ich mich von dieser Kirche trennen. Sie konnten nicht damit umgehen, dass ich unehelich schwanger geworden bin. Ich entschied mich dann, mit meinem Freund zusammenzuziehen und eine Familie zu gründen. Noch während meiner Schwangerschaft begann ich die Lehre zur Hauspflegerin, die ich erfolgreich abschliessen konnte. Drei Jahre nach der Geburt unserer Tochter bekamen wir noch einen Sohn. Wir heirateten und kauften dann unser Haus, wo ich noch heute mit meinen Kindern lebe.
Als unsere Kinder 4 und 7 Jahre alt waren, trennten wir uns. Das war wieder eine sehr schwierige Zeit mit grossen Herausforderungen. Und es war nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen.
Ich fühlte mich allein und mich begleiteten Gefühle des Versagens.
Die Scheidung zerriss mir das Herz und ich fühlte mich schuldig gegenüber meinen Kindern.
Zu diesem Zeitpunkt suchte ich mir Unterstützung und machte eine Gesprächstherapie.
Trotz diesen negativen Gedanken, die mich plagten, war Gott immer da!
Er schenkte mir jeden Tag die nötige Kraft. Ich wusste, dass ich stark bleiben musste. So habe ich viele Stossgebete in den Himmel geschickt: Bitte hilf mir Jesus! Lass mich nicht allein!
Und immer hat er mich gehört und ist mir beigestanden. Er war mein starker Fels und er hat mich durchgetragen, immer wieder. Auch wenn Menschen mir den Rücken zukehrten, Gott war immer da. Er war die Konstante in meinem Leben. Ich bin auch überzeugt, dass die Gebete von meinem Grosi mich und auch meine Kinder getragen haben.
Gerade in den schwierigsten Phasen durfte ich Gott nahe sein und verlor meine Hoffnung nie. Durch meine Geschichte möchte ich andere Menschen ermutigen, dass sie ihre Tiefschläge mit Gott durchstehen können. Auch mein Taufspruch aus Psalm 91.9-12 bezeugt das:
«Du aber darfst sagen:“ Ja,bei Gott, dem Höchsten, hast du Heimat gefunden. Darum wird dir nichts Böses zustossen, kein Unglück wird dein Haus erreichen.Denn Gott hat seine Engel ausgesandt, damit sie dich schützen, wohn du auch gehst. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen.»
Ich habe lange mit meinem Schicksal gehadert. Rückblickend kommt es mir vor, als ob ich jahrelang in den Wehen gelegen hätte, es war sehr schmerzhaft. Doch ich weiss auch, dass ich heute an einem anderen Punkt stehe. Ich habe mich mit meiner Vergangenheit versöhnt.
Ich weiss, Gott kann aus jeder noch so misslichen Lage etwas Schönes wachsen lassen.
Er sendet seine Engel aus, um uns zu schützen, wohin wir auch gehen. Das hat mir geholfen, positiv zu bleiben!
Heute darf ich eine so grosse Dankbarkeit und Demut in meinem Herzen haben. Gott hat mich und meine Kinder getragen und beschützt. Es ist für mich so ein Geschenk, zu sehen, wie meine Kinder ihren Weg mit Jesus gehen. Die Freundschaft, die ich mir mit meiner Mami so gewünscht habe, und die viel zu früh endete, darf ich heute mit meiner Tochter pflegen.
Das Leben hinterlässt Spuren, aber wir wissen, dass Gottes Engel uns auf ihren Händen tragen. Er ist unser Vater im Himmel. Bei ihm sind wir geborgen. Er weiss, was wir brauchen und seine Liebe für uns ist unendlich gross.
