Ich bin Jsa. Mein Leben bereichern drei tolle Kinder, ein fürsorglicher Mann und ein Hund. Ich arbeite auf meinem Traumberuf – Kindergärtnerin. Ich bin bunt, wie meine Kleidung, empathisch, offen, manchmal laut, manchmal ruhig.

Meine Mutter war Krankenschwester. In einem Schwesternhaus, dessen Tür sich nachts nicht richtig schliessen liess, entstand ich. Obwohl meine Zeugung alles andere als ein Akt der Liebe war, entschied sich meine Mutter mit aller Kraft für mich – gegen alle Umstände zu jener Zeit.

Ich kam in einem Frauenhaus in Zürich zur Welt. Es war kein schöner Ort. Die Frauen wurden geschlagen, das Essen war schlecht, manchmal voller Maden. Man liess sie spüren, wie wenig sie galten. Selbst während meiner Geburt versuchte man, meine Mutter zur Unterschrift für meine Kindsabgabe zu drängen. Doch meine Mutter wusste, es gibt einen gemeinsamen Weg für uns. Dieser Weg wurde möglich durch meine Grossmutter.

Zuerst empfand sie mich als Schande, drängte auf eine Hochzeit, was verständlicherweise für meine Mutter keine Option war. Doch dann nahm mich meine Grossmutter bei sich auf – und liebte mich von ganzem Herzen. In ihrem Haus, zusammen mit meinen Onkeln und Tanten, fand ich Geborgenheit und Liebe. Meine Mutter besuchte mich so oft sie konnte. In der kleinen Berggemeinde kannte mich jede und jeder.

Ich war das Kind ohne Vater.

Jeden Abend beteten mein Grosi und ich gemeinsam. Sie war Katholikin und gab mir ihren Glauben weiter. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als dass meine Mutter einen guten Mann finden und ich endlich einen Vater haben würde. Meine Grossmutter nahm mich regelmässig mit in die katholische Kirche. Dort fühlte ich mich Gott besonders nah. Ich liebte es, im Gottesdienst zu dienen. Dort fühlte ich mich gesehen, wertvoll, etwas Besonderes.

Ich wollte immer lieb, rein und um meiner selbst willen geliebt sein. Ablehnung traf mich tief.

Da ich fast nur um Erwachsene herum war, war ich den Hänseleien der Kinder schutzlos ausgeliefert. Ich kannte ihre Sprache nicht, war sonst nur mit Erwachsenen zusammen und hatte nicht gelernt, mich zu wehren. Ich konnte mich vor ihren Hänseleien nicht schützen. Langsam brannte sich ein Satz in mein Herz: Ich bin nicht gut genug. Ich bin nichts wert. Ich habe ja nicht einmal einen Vater.

Als meine Grossmutter schwer verunfallte, musste ich an verschiedenen Orten wohnen, jedoch immer bei lieben Menschen, die gut für mich sorgten. So zum Beispiel wohnte ich während einer gewissen Zeit bei einem älteren Ehepaar mit einem Bauernhof und noch bei meinem Götti. Ich nahm alles so an, wie es kam und vertraute darauf, dass Gott einen guten Plan hatte. Mit neun Jahren heiratete meine Mutter. Endlich bekam ich einen Vater – den besten, den ich mir hätte wünschen können. Er nahm mich vorbehaltlos an, wie sein eigenes Kind. Doch bald schon überschatteten viele Fehlgeburten meiner Mutter unsere Familie. Zudem machten sich bei mir Rückschläge breit. Ich litt an Prüfungsängsten und scheiterte in der Schule immer wieder. Das alles bestätigte in mir erneut das alte Gefühl: Ich genüge nicht.

Ich kämpfte weiter. Ich wünschte mir so sehr, später als Kindergärtnerin arbeiten zu können. Meine Eltern taten alles, damit sich dieser Wunsch auch erfüllen konnte. Ich durfte ins Welschland, war dort aber die Jüngste, die Uncoole. Wieder zu Hause wurde es schwierig. Ich war schon sehr selbständig und fing dann auch an zu rebellieren. Da mich die öffentliche Schule nicht zurücknehmen wollte, ging ich auf eine Privatschule. Umgeben von Kindern reicher Eltern empfand ich mich wieder als «nicht gut genug». Gott verschwand immer mehr aus meinem Blickfeld. Durch meine Mutter kam die Esoterik in mein Leben. Reiki wurde zu einem festen Bestandteil meines Alltags, und doch war es für mich immer klar, dass Gott existiert.

Leider dachte ich aber auch, ich könne alles allein schaffen.

Schliesslich bestand ich die Aufnahmeprüfung ins Kindergartenseminar. Während der ganzen Ausbildung entsprach ich nicht den Vorstellungen der Ausbildner/innen – weder schulisch noch praktisch. Ich glaubte ihnen, und mein negatives Selbstbild wurde wieder genährt. In dieser Zeit ging ich eine Beziehung ein. Doch auch dort hatte ich das Gefühl, nicht zu genügen und ausserdem zu dick zu sein. Leider fand ich dann trotz erfolgreichem Abschluss als Kindergärtnerin keine Anstellung in diesem Bereich. Jede Bewerbung bearbeitete ich vor dem Abschicken mit Reiki. Statt auf meinem erlernten Beruf zu arbeiten, jobbte ich an verschiedenen Orten. Doch mein Selbstvertrauen war dahin und mein Selbstbild völlig verzerrt: selbst, wenn man mich lobte, konnte ich den Worten keinen Glauben mehr schenken. In dieser Zeit ging dann auch meine Beziehung in die Brüche. Mein damaliger Freund meinte, meine Art nerve ihn zu fest. Und da war sie wieder, die Bestätigung meiner negativen Gedanken über mich.

Mit 22 Jahren lernte ich Peter kennen, meinen heutigen Mann. Er war damals 17 Jahre alt. Es war das erste Mal, dass mich jemand so liebte, wie ich war. Als er 20 wurde, zogen wir zusammen und heute haben wir drei wundervolle Kinder. Gott war immer an unserer Seite, obwohl wir ihn zuerst nicht bewusst wahrnahmen. Mittlerweile hatte ich noch eine Handelsschule gemacht und diese erfolgreich abgeschlossen. Danach bewarb ich mich bei einem Lokalradio. Eigentlich suchten sie eine Buchhalterin. Als ich schon nicht mehr daran glaubte, meldete sich eine Andrea Blaser bei mir und bot mir ein Probearbeiten an. Ich bekam den Job. Das war der Startschuss für viele, viele Gespräche zwischen Andrea und mir über den Glauben.

Sie stellte mir einen ganz anderen Gott vor, keinen Gott von «Du musst», sondern einen Gott, der eine Beziehung zu mir möchte.

Gott hatte ich bis dahin durch mein eigenwilliges Handeln und die Esoterik in den Hintergrund gedrängt. Doch Er schickte mir jemanden an die Seite, die genau den Ton traf, den ich brauchte, um zu verstehen, wie ich mit Gott in Beziehung kommen konnte. Ich fing an, regelmässig in die Kirche zu gehen, mich dort zu investieren. Immer deutlicher lernte ich Gottes allumfassende, tiefe Liebe kennen. Ich durfte Ihn so vielfältig erleben, sowohl in finanzieller Hinsicht, in der Familie wie auch in unserer Wohnsituation. Ich spürte einen unbändigen Drang, mehr von diesem Gott zu erfahren und liess mich dann auch taufen. Vor sieben Jahren begann ich eine Ausbildung zur Religionslehrerin. Schnell merkte ich, dass das nicht die Art war, wie ich den Glauben an Gott weitergeben wollte und brach nach zwei Jahren ab. Doch das Wissen, das ich mir da angeeignet hatte, hat mir schon in verschiedenen Situationen geholfen. Beruflich darf ich heute in meinem Traumberuf als Kindergärtnerin arbeiten. Ein weiterer Segen Gottes in meinem Leben, wie ganz viele weitere Zeichen seiner Gunst, die ich rückblickend wahrnehme.

Seit 25 Jahren bin ich tief im Glauben und in der HOPE & LIFE CHURCH verwurzelt. In Gott finde ich Halt, viele neue Freunde bereichern mein Leben und sind mir eine grosse Stütze. Gott hat mir eine nicht zu missen wollende Freundin zur Seite gestellt. Ich durfte an Selbstwert gewinnen und ein inneres Fundament aufbauen. Es gab auch später in meinem Leben eine schwierige Zeit, in der alles einzustürzen drohte. Doch genau dort, in der Not, lernte ich unseren Herrn noch einmal tiefer kennen. Das alte Kirchenlied «Grosser Gott wir loben Dich» begleitete mich in dieser Zeit häufig. Nie habe ich an ihm gezweifelt. Heute bin ich überzeugt, dass mein Glaube unerschütterlich ist. Gott hat mich zu einer Frau gemacht, die ihren Wert erkannt hat, sich selbst annehmen kann, wie sie ist und sich geliebt weiss. Ich bin überzeugt: egal, was kommt, Er begleitet und trägt mich.

Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.