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Lauten Jubel über die Rettung hört man in den Zelten derer, die nach Gottes Willen leben. Die Hand des Herrn vollbringt mächtige Taten! Die rechte Hand des Herrn ist siegreich erhoben, ja, die Hand des Herrn vollbringt mächtige Taten! Ich werde nicht sterben, sondern leben und von den Taten des Herrn erzählen. Der Herr hat mich zwar hart bestraft, aber dem Tod hat er mich nicht preisgegeben. Öffnet mir die Tore des Tempels, die Tore der Gerechtigkeit, ich möchte hindurchgehen und dem Herrn danken! »Das ist das Tor, das dem Herrn gehört. Menschen, die nach Gottes Willen leben, dürfen hindurchgehen.« Ich danke dir, Herr, dass du mich erhört hast und mir zum Helfer wurdest. Der Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr getan, und es ist ein Wunder in unseren Augen. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; heute wollen wir fröhlich jubeln und unsere Freude haben. O Herr, hilf du doch auch weiterhin! O Herr, gib du doch Gelingen! »Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Wir segnen euch vom Haus des Herrn aus. Der Herr ist Gott, und er hat uns Licht geschenkt. Tanzt einen festlichen Reigen, mit Zweigen in der Hand, bis dicht an die Hörner des Altars! Mein Gott bist du, und ich will dir danken, mein Gott, ich will dich preisen! Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, und seine Gnade bleibt für alle Zeiten bestehen!

Psalm 118.15-29

Steh auf und leuchte – das war das Thema am Tisch. Vier Frauen haben unter der Gesprächsleitung von Ramona Schmid über diese Aufforderung gesprochen. Sie haben ausgetauscht, was sie im Bibelabschnitt aus Psalm 118,15-29 angesprochen hat und wie sie Dinge davon in ihrem Alltag leben. Daraus entstanden ist ein kostbarer Text aus dem Leben dieser wunderbaren Frauen.

 

Zuerst einmal ganz allgemein: Was habt ihr zu diesem Vers erlebt?

 

Claudia: Mich hat besonders der Vers «Ich werde nicht sterben, sondern leben und von den Taten des Herrn erzählen» angesprochen. Mit 25 war ich in einer schwierigen Arbeitssituation, ich ging jeden Tag mit Angst arbeiten. Dieser Vers war schon damals mein Anker. Irgendwann wachte ich sogar in der Nacht auf und wurde von Ängsten geplagt. Das war der Ausschlag für meine Kündigung. Eine Zeitlang habe ich dann gehadert, weil ich es offensichtlich nicht gepackt hatte, die Arbeit zu meistern. Doch Gott hat mir dann gesagt: «Ich war es, der dich in jener Nacht aufgeweckt hat. Ich wollte dich aus dieser Arbeit herausnehmen, denn ich weiss, wie viel du ertragen kannst.» Das hat mich dann sehr ruhig gemacht. Und heute, fast 20 Jahre später, sehe ich, wie ich wirklich vieles erlebt habe und aus tiefem Herzen von den Taten des Herrn in meinem Leben erzählen darf.

 

Und doch entscheide ich mich immer wieder, standhaft zu sein und zu meinem starken Gott zu stehen.

Yael

 

Yael: Für mich war der Vers «Du bist mein Gott, dir will ich danken und dich will ich preisen» zentral. Ich merke immer wieder, wie ich in der Ausbildung Herausforderungen erlebe, die meinen Glauben ins Wanken bringen wollen. Und doch entscheide ich mich immer wieder, standhaft zu sein und zu meinem starken Gott zu stehen.

Mirjam: Da ist ja auch die Rede von einem Stein, den die Bauleute verworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, und genau der ist dann schlussendlich zum Eckstein geworden. Mich hat das daran erinnert, dass Gott alles sieht, auch das Verborgene. Auch wenn es vielleicht so aussieht, dass etwas unbrauchbar ist oder nicht von grossem Wert: Gott gibt jedem «Stein» seinen Platz, er sieht uns und gibt uns unseren Wert.

Verena: Ja, Gott sieht uns! Das Thema ist ja «steh auf und leuchte!». Und das möchte ich – aufstehen und leuchten. Für mich hat das viel mit Dankbarkeit zu tun. Gerade in der Alterspflege ist oft viel Schmerz und Leid zu sehen, dort möchte ich ein Licht sein. Das kann ich aber nicht aus mir selbst heraus. Ich hadere manchmal mit mir, weil ich ja alles gut machen möchte und dann ins Grübeln komme, ob es wohl richtig war. Da beginne ich dann einfach, Gott zu danken. Er ist gut, seine Wahrheit bleibt für immer. Er hat mir sein Licht geschenkt und weiss, was gut für mich ist.

     
Habt ihr ein Ritual oder eine Zeit im Alltag, in der ihr euch bewusst auf Gott fokussiert?

 

Verena: Ich gehe wenn möglich jeden Morgen kurz in den Wald. Die Bewegung tut mir gut, so komme ich schnell mit Gott in Kontakt. Ich singe dann ein Lied in den Wald hinein, lasse meine Batterien aufladen. Manchmal ist diese Zeit tief, manchmal ist es ein Erledigen, aber es tut mir immer gut.

Yael: Mein Morgenritual mache ich häufig im Zug. Auf der You Version App lese ich den Tagesvers und die Story und mache mein Herz bereit für den Tag. Auf dem Nachhauseweg schreibe ich dann Tagebuch. Es ist eigentlich ein schriftlicher Kontakt mit Gott, ich beginne meine Texte dann auch mit «Hallo, Papi». Reden mit Gott geht auch, aber beim Schreiben fällt es mir einfacher, mich zu konzentrieren und mit Gott zu sprechen.

Mirjam: Eine Zeit, in der ich mich bewusst auf Gott fokussiere, ist häufig der Arbeitsweg. Wenn ich zu Hause bin – ganz ehrlich – die Zeit am Morgen auf dem WC mit Bibel und Blogbuch.

Claudia: Gott ist in meinem Alltag präsent. Wenn ich Fragen habe oder Hilfe brauche, gehe ich zu meinem Gott. Kürzlich hatte ich einen Konflikt mit einem unserer Kinder. Ich merkte, wie ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte, da ich mich wirklich geärgert hatte. In diesem Augenblick habe ich dann einfach mit Gott gesprochen und ihn gebeten, mir zu helfen. Ich konnte unserem Kind vergeben und wir erlebten einen schönen Rest des Tages. In meiner Bibel habe ich vier Postkarten. Jedes Bild darauf steht für einen Traum. Manchmal schaue ich einfach nur die Bilder an und es ist schon wie ein Gebet zu Gott. Nebst diesen vier Bildern habe ich natürlich auch andere Träume, viele sehe ich bereits erfüllt. Als ich zum Beispiel in Yaels Alter war, habe ich so oft gebetet und geträumt von einer eigenen, schönen Familie. Und genau das habe ich jetzt!

 

Wie geht ihr denn damit um, wenn Konflikte entstehen oder euer Tag nicht genau so läuft, wie geplant?

 

Mirjam: Da entsteht bei mir als erstes ein Kampf mit dem Ego! Mein Ego sagt mir dann: Du hast das Recht, dass es dir mal einfach scheisse geht. Ich will aber nicht dort stehen bleiben und versuche, Gott zu integrieren. Dann erhalte ich Frieden, Ruhe und weiss: Meine schlechte Laune hat nicht erste Priorität.
Vorgestern gerade habe ich eine Freundin auf den Notfall begleitet und kam dann um 2 Uhr in der Früh ins Bett, zeitgleich erwachte unser Sohn und brauchte meine Betreuung. Mit drei Stunden Schlaf bin ich nicht immer die beste Version von mir. Meine Freundin hat mir aber bei der Verabschiedung im Spital einen besonders gesegneten Tag gewünscht. Mit diesem Blickwinkel bin ich in den Tag gestartet und habe gewusst: Ich darf mir Mühe geben, dienen und investieren, während Gott zu meinen Bedürfnissen schaut.

 

Dann sage ich zu mir selber: «Nun bist du wieder mal Opfer, das willst du eigentlich gar nicht», und kann dann umkehren.

Verena

 

Verena: Ja, wenn ich es merke, dass ich schlecht gelaunt bin, kann ich darauf reagieren und bewusst Gegensteuer geben. Manchmal kommt es aber auch völlig unvorbereitet. Ich merke, wie mir ein Rhythmus guttut oder Dinge, auf die ich mich freuen kann, wie beispielsweise auf diesen Talk heute. Manchmal merke ich es aber erst nach einer Zeit, dass ich im Selbstmitleid bade. Dann sage ich zu mir selber: «Nun bist du wieder mal Opfer, das willst du eigentlich gar nicht», und kann dann umkehren.

Yael: Meine Herausforderungen sind manchmal schwierige Patienten bei der Arbeit. Ich habe mir aber angewöhnt, vor der Zimmertür zu Jesus zu sagen: «Gell, du kommst mit mir in dieses Zimmer und gibst mir deine Ruhe und deinen Frieden». Oder ein Klassiker ist auch der Samstagmorgen, mein freier Tag. Ich bin von uns vier Geschwistern meist als erste wach und bin dann schlecht gelaunt, weil ich aus meiner Sicht alles bereitmachen muss, da die anderen ja noch schlafen. Meine Family hat aber aufgehört, sich deswegen zu nerven, sie lachen mich liebevoll aus, und ich lache dann irgendwann mit. Das hilft mir.

Claudia: Ja, das mit dem Lachen! Das hilft wirklich. Kürzlich habe ich ein Podcast gesehen von einer Predigt der Lakewood Church, in welcher der berühmte Rapper Kanye West zu Gast war. Als er sich lautstark über die Techniker beschwert hat, hat Joel Osteen (der Pastor der Church) einfach still gelächelt und hat dann mit seiner Message weitergemacht. Das hat in mir etwas ausgelöst. Seither versuche ich öfters, zu lächeln. Ich lächle meinen Mann an, wenn er sich ärgert, und dann lächelt er zurück. Wir haben wirklich weniger Streit seither.
Ich versuche, auch dann zu lachen, wenn es mir nicht so gut geht. Oft, wenn ich vor der Entscheidung stehe, einen Streit vom Zaun zu brechen, frage ich mich: Ist nun dieser Streit wichtig für meine Bestimmung, die Gott für mich hat? Wenn es nur Lappalien sind, habe ich die Grösse, es stehen zu lassen. Ja, manchmal muss ich auch etwas ansprechen, aber nicht immer.

 

Dieses Leuchten, von dem der Bibelabschnitt handelt, was bedeutet das für euch?

 

Yael: Der Welt zeigen, wer Gott ist. Ich versuche, ein Vorbild zu sein und positiv im Leben zu stehen.

Claudia: Für mich bedeutet es, zu erzählen, was ich mit Gott erlebt habe. Aber auch dann, wenn ich nichts sage, bin ich davon überzeugt: Wir leuchten auch ohne Worte und spiegeln Gottes Herrlichkeit wider.

 

Es hat auch damit zu tun, echt zu sein, Herausforderungen zu teilen. Das braucht manchmal Mut.

Mirjam

 

Mirjam: Es hat auch damit zu tun, echt zu sein, Herausforderungen zu teilen. Das braucht manchmal Mut. Aber wenn ich Freundinnen daran teilhaben lassen darf, wie ich mit Gottes Hilfe durch Schwierigkeiten gehe und wie ich trotz allem an ihm festhalte, können sie sehen, wie Gott wirkt.

Verena: Ich versuche, positiv zu sein und so dem Gegenüber zu dienen.

Habt ihr ein Schlusswort?

 

Mirjam: Du musst nicht alles selber können. Das ist ok so, Gott hat alles im Griff.

Verena: Dankbarkeit ist ein Schlüssel. Und das Wissen: Gott hält alles in seiner Hand. Was er sagt, das gilt.

 

Wenn ich meine grössten Hürden und Hindernisse mit Gott zusammen angehe, können diese zum tragenden Element, zum Pfeiler und zum Sieg in meinem Leben werden.

Claudia

 

Claudia: Es ist wie beim Vers: «Der Stein, den die Bauleute verworfen hatten, ist zum Eckstein geworden»: Wenn ich meine grössten Hürden und Hindernisse mit Gott zusammen angehe, können diese zum tragenden Element, zum Pfeiler und zum Sieg in meinem Leben werden.

Yael: Eigentlich das, was uns Timi (Timon Friedli, Young Adults Pastor, Anm. der Redaktion) jeden Sonntag sagt: Wir müssen wissen, wer wir in Gott sind. Unsere Identität in Gott ist unser Fundament.

Diese Frauen waren zusammen am Tisch (v.l.n.r.):

Claudia: 41-jährig / verheiratet / Mutter von vier Kindern / Beruf: Lehrerin

Mirjam: 39-jährig / verheiratet / Mutter von drei Kindern / Beruf: Rettungssanitäterin

Verena: 68-jährig / verheiratet / Mutter von zwei Kindern / Beruf: Erwachsenenbildnerin Pflege, jetzt pensioniert und in der Spitex tätig

Yael: 17-jährig / Beruf: Fachfrau Gesundheit / Hobbies: Klavierspielen / Worship in der HOPE & LIFE CHURCH