Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Philipper 4,8-9

Verändere die Konversation – das war das Thema unseres Gesprächs. Drei Frauen haben unter der Gesprächsleitung von Lilian Suter über diese Aufforderung gesprochen. Sie haben ausgetauscht, was sie im Bibelabschnitt aus Philipper 4,8-9 angesprochen hat und wie sie Dinge davon in ihrem Alltag leben. Daraus entstanden ist ein kostbarer Text aus dem Leben dieser wunderbaren Frauen.

Was habt ihr mit dem Vers erlebt, wie hat er zu euch gesprochen?

 

Chantal: Momentan absolviere ich die Ausbildung zur Medizinischen Praxiskoordinatorin. Was in diesem Vers steht, haben wir gerade im Unterricht durchgenommen: Es macht einen enormen Unterschied, wenn Patienten das Positive sehen und wir ihnen dabei helfen können, den Fokus auf das zu setzen, was noch vorhanden ist und noch geht und dieses zu fördern, anstatt auf das Negative, das Kranke, das nicht mehr Funktionierende zu schauen. Ich denke, dass dies auch für meine Gedanken wichtig ist. Je mehr ich auf das Positive schaue, desto mehr ist es mir auch möglich, mit Schwierigkeiten zurecht zu kommen.

 

Dadurch, dass ich nicht immer nach meinen spontanen Gefühlen, sondern nach Gottes Wahrheit handle, kann ich auf dieser Welt etwas bewegen und verändern.

Bea

 

Bea: Gott sagt uns, was gut und richtig ist. Die Welt sagt uns manchmal etwas anderes. Ich erlebte letzte Woche eine Situation, in der meine Familie und ich von jemandem nicht gut behandelt wurden. Als ich darüber nachgrübelte, kam mir eine Wahrheit Gottes in den Sinn: Es ist einfach, den zu lieben, der mich auch liebt. Es ist aber richtig, gerade demjenigen Menschen, der mich schlecht behandelt, fair zu begegnen. Damit mache ich einen Unterscheid. Dadurch, dass ich nicht immer nach meinen spontanen Gefühlen, sondern nach Gottes Wahrheit handle, kann ich auf dieser Welt etwas bewegen und verändern.

Eveline: Ich las den ganzen Bibelabschnitt zu diesem Vers. Vers 6–7 liessen mein Mann und ich uns in unsere Eheringe eingravieren: «Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Dann wird auch der Friede Gottes, der von Gott kommt….. eure Herzen und eure Gedanken mit seinem Schutz umhüllen.» Diese Wahrheit, und dass Gottes Friede immer wieder unser Herz erfüllen möchte, ist mir sehr wichtig. Es ist die Voraussetzung, dass meine Gedanken wahrhaftig und positiv sind. Ich möchte es für mich anwenden, aber auch bei meinen Mitmenschen ausstrahlen.

Lilian: Manchmal überlege ich mir, was man zu meinen Gedanken sagen würde, wenn sie für alle hörbar wären. Sind das Gedanken, die Gott ehren, spreche ich liebevoll zu mir selber, sind meine Worte vorbildlich und entsprechen sie der Wahrheit. Dann merke ich gerade bei den Gedanken über mich selber, wie kritisch und lieblos sie manchmal sind. Da passt eben die Aufforderung vom Vers wunderbar: Richtet eure Gedanken auf das Gute. Diese Verse haben mir diesbezüglich schon oft geholfen.

 

Was hat für euch der Vers mit der Konversation mit uns selbst zu tun?

 

Bea: Für mich bedeutet es, dass ich ein Vorbild für unsere Kinder sein möchte, darin, wie ich mich selbst behandle und über mich denke. Ich möchte weitergeben, dass ich mich selber gerne habe und Gott dankbar bin, für die, die ich bin. Konkret heisst dies für mich, dass ich mir ab und zu bewusst Zeit für mich nehme und dies meinen Kindern gegenüber auch klar kommuniziere, mich Situationen aussetze, die mir gut tun und versuche, in Verbindung zu bleiben mit Gott. Denn nur, wenn es mir gut geht und ich mit Gott unterwegs bin, kann ich dies auch glaubhaft weitergeben.

Chantal: Beim Nachdenken über den Vers stellte ich fest, dass es viel einfacher ist, sich Gottes Gnade für meine Mitmenschen vorzustellen, als für sich selber. Es wurde mir bewusst, dass diese Gnade ebenso auch für mich gilt, wie ich sie mir für meine Mitmenschen vorstelle.

 

Zu dem Frieden, den Gott uns schenkt, gehört auch, dass ich mir Gedanken mache über Dinge, die mir gut gelungen sind und über Situationen, in denen ich Gott erlebt habe.

Eveline

 

Eveline: Auch ich betrachtete diese Verse immer eher für meine Mitmenschen und weniger für mich. Ich denke aber, dass zu dem Frieden, den Gott uns schenkt, auch gehört, dass ich mir Gedanken mache über Dinge, die mir gut gelungen sind und über Situationen, in denen ich Gott erlebt habe, statt mich nur mit mich verurteilenden Gedanken zu beschäftigen.

Lilian: Wenn ich so am Grübeln bin und anklagende Gedanken kommen, hilft es, mir bewusst zu machen, ob diese Gedanken mit Gottes Wahrheiten übereinstimmen. Dies kann ich am besten herausfinden, indem ich direkt zu Gott komme. Manchmal gehe ich auch zuerst zum Küchenschrank und hole Schokolade, das hilft zwar kurzfristig, aber die Wahrheit hat nicht Einzug gehalten. Wenn ich es schaffe, direkt zu Gott zu gehen, kommt Gottes Wahrheit immer in mein Herz. Es braucht aber häufig meine bewusste Entscheidung dafür. Auch die Kirche oder ermutigende Podcasts helfen mir, meine Gedanken auf die Wahrheit zu fokussieren.

 

Was habt ihr für Strategien, um negative Selbstgespräche zu stoppen/eine Negativ-Gedankenspirale zu unterbrechen?

 

Chantal: In einem Buch begegnete mir die Strategie, welche ich eine Zeit lang umsetzte. In 3 Minuten am Abend reflektiert man, wofür man dankbar ist, was gut lief, was gelungen ist. Das Feiern meiner Erfolge half mit sehr, meinen Fokus zu ändern. Auch Worship hören hilft mir, es bringt mich auf ganz andere Gedanken.

 

Das Feiern meiner Erfolge half mit sehr, meinen Fokus zu ändern.

Chantal

 

Bea: Mir hilft lesen, Worship hören, Predigten hören, mich abwenden von dem, was mich plagt, und mich Gott zuwenden. Ich überlege mir wirklich auch, woher die negativen Stimmen in mir kommen und prüfe, ob sie mit Gottes Wahrheit für mich übereinstimmen.

Eveline: Ich bin viel im Auto unterwegs. Da helfen mir zum Beispiel Kurzbotschaften auf Youtube, um mich wieder auf was anderes als auf störende oder negative Gedanken zu fokussieren. Auch das «Jesus-Gebet», welches ich zurzeit immer wieder ausspreche, hilft mir, dass Wichtiges wieder gross werden kann und Unwichtigeres, welches riesig geworden war, wieder den Platz erhält, welchen es verdient.

 

Egal, wie es im Moment aussieht, Gottes Verheissungen sind als anders meine Gedanken es mir im Moment sagen wollen.

Lilian

 

Lilian: Letzten Frühling machte sich bei mir bezüglich Erziehung meiner Jungs regelmässig eine Hoffnungslosigkeit breit, wenn wieder etwas nicht gut lief. Ich fing dann an, Verheissungen von Gott aufzuschreiben und platzierte diese in unserer Küche. Von da an machte ich bei Herausforderungen zuerst einen kurzen Abstecher in die Küche zu meinen Verheissungen und fokussierte mich darauf. Danach ging ich in die Situation (zum Beispiel ein Streit unter meinen Jungs) im Wissen, dass egal, wie es im Moment aussieht, Gottes Verheissungen anders sind als meine Gedanken es mir sagen wollen.

 

Wie richtet ihr euch im Alltag auf Gott aus?

 

Chantal: Im Alltag ist es manchmal schwierig, weil so viel läuft. Vor einiger Zeit half mir ein Versuch, in dem ich mir alle 10 Min. den Wecker stellte, um mich jeweils für ein paar Sekunden aus dem Alltag rauszunehmen und wieder auf Gott zu fokussieren.

Bea: Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir uns nicht nur von unseren Gefühlen leiten lassen. Es braucht manchmal unseren Verstand und den Mut, sich auf das zu fokussieren, was Gott uns sagt. Um zu entdecken, was Gott uns zeigen möchte, denke ich, ist es wichtig, dass wir die Zeit mit ihm priorisieren. Dabei ist mir mein Mann ein riesen Vorbild. Zuoberst auf seiner Liste für den Tag steht eine bewusste Zeit mit Gott. Mir gelingt das überhaupt nicht immer, aber ich strebe es an, weil ich weiss, dass es mir guttut.

Eveline: Momentan lese ich in meiner Zeit mit Gott Psalmen und schreibe mir danach in einem Heft auf, wie Gott ist. Dabei verinnerliche ich mir sein Wesen und seine Vielfalt. Dies hilft mir im Alltag, lehrt, ermutigt und tröstet mich. Manchmal fällt dann auch eine Last von mir, weil ich merke, dass ich nicht immer alles selber sein und tun muss, weil Gott für mich so vieles ist und er mir beistehen will.

Lilian: Ich habe seit dem Lockdown wieder begonnen, vor den Kindern aufzustehen und mir Zeit zu nehmen, in der Bibel zu lesen und mich von Gottes Wahrheit und Liebe ins Lot zu bringen. Diese Zeit ist nicht immer gefüllt mit Erkenntnissen oder Tiefe, aber ich merke, wie sie sich in meinen Alltag auswirkt und die Gewissheit, dass Gott immer bei mir ist, präsenter ist.

 

Wo habt ihr euch in eurem Leben entwickelt, was hat sich in eurem Leben verändert, wenn ihr so zurückschaut?

 

Bea: Vor kurzem entdeckte ich eine Notiz, welche ich vor 10 Jahren geschrieben habe, kurz nachdem ich mich taufen liess. Ich hatte dort geschrieben, dass ich Gott besser kennen lernen wollte. Ich ging seither den Weg mit Gott weiter, blieb dran und suchte Gott immer wieder. Heute habe ich wirklich das Gefühl, näher an Gottes Herz gekommen zu sein.

 

Heute kann ich sagen, dass ich in diesem Bereich grosszügiger geworden bin, Gott hat mir ein offeneres Herz geschenkt.

Eveline

 

Eveline: Früher hatte ich viel mehr ein Schwarz-Weiss-Denken und dachte zu wissen, was gut ist und was nicht. Heute kann ich sagen, dass ich in diesem Bereich grosszügiger geworden bin, Gott hat mir ein offeneres Herz geschenkt. Heute denke ich eher: «Wer bin ich, dass ich das Gefühl habe, nur so, wie ich es mache, ist es richtig?» Gott hat überall Menschen, die ihn ehren und anbeten, aus allen Kulturen und Hintergründen. Er ist grösser als mein kleines Denken.

Chantal: Ich sah Gott früher vor allem als einen strafenden Gott. Durch die Kirche, das Unterwegssein mit Gott und das immer bessere Verstehen von Gottes Wort hat sich mein Gottesbild verändert. Heute sehe ich ihn als liebenden persönlichen Gott.

Lilian: In den Jahren, in denen ich nun mit Gott unterwegs bin, habe ich mich wahrscheinlich bezüglich meiner Identität am meisten verändert. Ich weiss heute mehr, wer ich in Gottes Augen bin. Und ich weiss, dass er über allem steht und gute Gedanken über mir hat. Sogar wenn ich es nicht schaffe, meine Gedanken auf das Gute zu richten, will er mich beschenken. Er ist grösser und will unaufhörlich Dinge zur Entfaltung bringen, die er in mich hineingelegt hat.

 

Habt ihr ein Schlusswort?

 

Chantal: Gott hat uns geschaffen, wir sind seine Töchter. Wir verletzen nicht nur uns, sondern auch ihn, wenn wir schlecht von uns denken. Wir sollten uns immer wieder an seinen Wahrheiten und seiner Sicht über uns orientieren.

Bea: Gott ist immer am Wirken, ob wir was fühlen oder nur Stillstand sehen, und er kommt immer zum Ziel mit uns. Wichtig ist, dass wir in Zeiten der Wüste nicht aufgeben, auch wenn wir noch nichts sehen.

Eveline: Bleiben wir dran und geben wir nicht auf, glauben wir daran, dass nach Wüstenzeiten, in denen sich scheinbar bei uns nichts verändert, wieder andere Zeiten kommen. Wir dürfen mit Gottes Treue rechnen und überzeugt sein, dass er uns nicht aufgibt.

Lilian: Gott ist so begeistert von uns, er ist mit jeder von uns individuell, liebevoll und souverän unterwegs. Das habe ich gerade in diesem Gespräch wieder gesehen. Vielen Dank für das Teilen eurer Gedanken!

Diese Frauen waren am Gespräch dabei

Chantal: 26-jährig / Beruf: medizinische Praxisassistentin / Hobbies: wandern /Motto: Humor hebt die Stimmung!

Bea: 33-jährig / verheiratet / Mutter von vier Kindern / Beruf: Sozial- und Heilpädagogin

Eveline: 57-jährig / verheiratet / Mutter von vier Kindern / Beruf: Sozialpädagogin

Lilian: 42-jährig / verheiratet / Mutter von zwei Kindern / Beruf: Lehrerin