Zu der Zeit betete Jesus: »Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast. Ja, Vater, das war dein Wille, so hat es dir gefallen. Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn. Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will. Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.«

Matthäus 11,25-30

Geerdet – das war das Thema unseres Gesprächs. Vier Frauen haben über diesen Begriff gesprochen. Sie haben ausgetauscht, was sie im Bibelabschnitt aus Matthäus 11,25-30 angesprochen hat und wie sie Dinge davon in ihrem Alltag leben. Daraus entstanden ist ein kostbarer Text aus dem Leben dieser wunderbaren Frauen.

Welcher Vers hat euch in diesem Bibelabschnitt besonders angesprochen und wieso?

 

Kumari: Mich hat der Vers 30 «Was ich anordne, ist gut für euch, und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.» besonders angesprochen. Es tut mir gut, zu wissen, dass Gott mir beim Tragen hilft.

Nadine: Mich hat der Vers 28, also vor allem die darin versprochene Ruhe, angesprochen: Jesus sagte: «Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken». Diesen Frieden, den Gott hier verspricht, bin ich seit längerer Zeit immer wieder bewusst am suchen resp. am einfordern. Wenn ich Sorgen oder Probleme habe, bitte ich Gott um diesen Frieden.

Tina: Auch mich hat besonders der Vers 28 angesprochen. Es beruhigt mich, zu wissen, dass ich nicht immer alles im Griff haben muss. Es ist jemand da, der mir Ruhe gibt und an den ich meine Herausforderungen abgeben darf.

Unter dem Joch sein bedeutet nicht in einem negativen Sinn, dass ich gehorchen muss und von Gott kontrolliert werde, sondern dass ich in Gott verwurzelt bin.

Rahel

Rahel: Ich habe den Bibelabschnitt in der Luther-Übersetzung gelesen. Dort ist anstelle einer «Last» von einem «Joch» die Rede. Da ich eine sehr freiheitsliebende Person bin, missfiel mir die Vorstellung eines Jochs zuerst einmal. Als ich mich aber näher mit dem Bibelabschnitt auseinandersetzte, bekam für mich der Begriff «Joch» eine andere Bedeutung. Ich begann, es eher als einen Rahmen zu sehen, eine Führung, die Jesus mir gibt. Dadurch, dass Gott mich unter seinem Joch hat, ist er immer da, kann er mein Leben führen und mir Ruhe schenken. Durch seine Führung kann er mich erquicken, dort, wo ich Erfrischung nötig habe. Unter dem Joch sein bedeutet nicht in einem negativen Sinn, dass ich gehorchen muss und von Gott kontrolliert werde, sondern dass ich in Gott verwurzelt bin. Gott möchte mich lenken, damit er mich beschenken kann. Er möchte, dass ich in seiner Ruhe leben kann. Diese Ruhe gibt eine viel tiefere Freiheit, sie bietet mir die Möglichkeit, ohne Angst zu leben.

 

Was hat der Bibelvers mit dem Thema «geerdet» zu tun?

 

Rahel: Wie vorhin bereits beschrieben verstehe ich «unter Gottes Joch» zu sein als «verwurzelt sein» in Gott. Und dieses verwurzelt Sein, das wünsche ich mir. In Gott verwurzelt zu sein gibt eine geerdete Ruhe ins Ganze.

Nadine: Ich merke, dass wenn ich weniger Zeit in meine Beziehung mit Gott investiere, ich auch weniger verwurzelt bin. Es kommt dann schneller zu Situationen, in denen ich unruhig werde oder einen negativen Blick bekomme. Wenn ich es schaffe, den Fokus dann wieder zu wechseln, mich wieder auf Jesus auszurichten, dann darf ich spüren, wie der Friede und die Ruhe wieder in mein Herz kommen.

Kumari: Ich finde «verwurzelt sein» in dieser besonderen Zeit doppelt wichtig. Ich arbeite als selbständige Kosmetikerin und viele meiner Kunden sprechen nur noch von der Corona-Situation. Wenn ich unvorbereitet zur Arbeit gehe, übernehme ich die meist ängstlichen Stimmungen meiner Kunden. Um mich davor zu schützen, bete ich jeden Morgen bevor ich das Haus verlasse Psalm 91 und begebe mich bewusst unter Gottes Flügel, suche bei ihm Zuflucht und bitte um seine Weisheit.

Ich darf wissen, dass Gott das Beste für mich will, egal, in welchem Sturm ich mich gerade befinde.

Tina

 

Tina: Für mich bedeutet geerdet sein, dass ich weiss, dass ich zu Gott gehen kann und er mir Ruhe gibt. Ich darf meine Sorgen abgeben, muss nicht alle Probleme selbst lösen können. Ich darf wissen, dass Gott das Beste für mich will, egal, in welchem Sturm ich mich gerade befinde.

Rahel: Es ist unsere Entscheidung, zu Jesus zu kommen. Im Bibelvers steht «kommt zu mir und ich will euch Ruhe schenken». Es ist an uns, dieses Angebot auch anzunehmen. Wir dürfen in der Bibel lesen, Wahrheiten über unserem Leben aussprechen, uns dazu entscheiden, positiv zu sein und am Glauben festzuhalten. Wir können etwas zu diesem «verwurzelt Sein» beitragen.

Nadine: Das sehe ich genauso. Eigentlich findet die Entscheidung Ruhe zu finden, zuerst im Kopf statt und rutscht dann später ins Herz. Zu Beginn ist es vielleicht schwierig, in einer Situation des Sturms Ruhe zu empfinden, aber durch den Glauben daran, dass Gott Frieden schenken kann, wird sich dieser Frieden auch tatsächlich in uns ausbreiten und für uns spürbar sein. Das glaube ich. Es ist unsere Entscheidung, die Ruhe Gottes in unserem Leben in Anspruch zu nehmen.

 

Prioritäten setzen im Alltag – wie macht ihr das?

 

Rahel: Ich befinde mich momentan in Quarantäne (es geht mir gut – ich bin gesund) und habe deshalb gerade viel Zeit, mir über Prioritäten Gedanken zu machen. Mir ist dazu das Bild eines Baumes mit seinen Wurzeln in den Sinn gekommen. Wenn ein Baum tief verwurzelt ist, hat er auch viel Power, um saftige Früchte zu bringen, Schatten zu spenden usw. Ich habe den Eindruck, dass damit starke Wurzeln wachsen können, vor allem die persönliche gemeinsame Zeit mit Gott ist dabei der Schlüssel. Ich spüre, dass Jesus sich wünscht, dass ich einfach zu ihm komme und einfach mal nichts tue. Ich darf einfach Zeit mit ihm geniessen, so, wie ich es auch mit einer Freundin, einem Partner oder der Familie tue. Ich denke, es sind diese persönlichen Zeiten mit Gott, die dazu beitragen, dass die Wurzeln tiefer und kräftiger werden. Je tiefer meine Wurzeln verankert sind in Gott, desto mehr Kraft habe ich, um gegen aussen Früchte zu tragen. Die gemeinsame Zeit mit Gott ist für mich aus diesem Blickwinkel nicht ein Ausruhen, um wieder Kraft zum Leisten zu tanken, sondern ein Ausruhen, um im Glauben gestärkt zu werden, um in der Ruhe Kraft zu finden und verwurzelt zu werden.

Ich schätze es sehr, mich bereits zu Beginn des Tages bewusst unter den Schutz Gottes zu stellen.

Kumari

Kumari: Ich bin am Abend nach der Arbeit meist zu müde, um noch Zeit mit Gott zu verbringen und lege mich deshalb lieber früh schlafen. Dafür bin ich dann Morgens zeitig auf und geniesse es, den Tag zusammen mit Gott zu beginnen. Ich schätze es sehr, mich bereits zu Beginn des Tages bewusst unter den Schutz Gottes zu stellen. Ich fühle mich dann gestärkt, ruhig und gewappnet für den Tag.

Nadine: Ich versuche meine Prioritäten im Tag so zu setzen, dass es mir gut tut. Natürlich gibt es vieles was einfach sein muss, aber daneben bin ich gerne auch flexibel unterwegs. So habe ich auch nicht eine fixe Zeit um Gemeinschaft mit Gott zu haben. Auch hier nütze ich die Gelegenheiten die mir der entsprechende Tag gerade bietet. Gerne höre ich z.B. eine Predigt oder Worship während meiner Autofahrt zur Arbeit. Oft empfinde ich Gespräche mit gläubigen Freundinnen sehr bereichernd und kann dabei in meinem Glauben wachsen.

 

Tina: Es ist als Mutter von drei kleinen Kindern nicht einfach, Prioritäten zu setzen. Ich versuche, mir pro Tag nur ein bis zwei Dinge zum Erledigen vorzunehmen und dabei vorher oder nachher auch Zeit für die Kinder einzuplanen. Habe ich am Abend alles oder sogar noch mehr geschafft kann ich mich darüber freuen und bin nicht gefrustet. Vor den Kindern aufzustehen ist nicht so mein Ding, tagsüber ist Zeit nur für mich alleine eine Mangelware und abends bin ich dann einfach müde vom Tag. In diesem Zustand ist es mir nicht wirklich möglich, gewinnbringend Bibel zu lesen. Meine Gedanken schweifen ab und ich kann mich nicht auf das Gelesene konzentrieren. Nun habe ich aber für mich das Bibelhören anstatt Bibellesen entdeckt! Ich habe mir angewöhnt, dass ich abends beim Zubettgehen noch 10-15 Minuten die Bibel höre. Das hilft mir sehr.

 

Wie schaut ihr zu euch selber?

 

Nadine: Als Ausgleich zu meiner Arbeit in der Arztpraxis liebe ich es, kreativ zu sein und mit meinen Produkten Märkte zu besuchen. Ebenfalls sehr wertvoll sind für mich meine Freundschaften. Ich liebe es, Zeit mit Freunden zu verbringen und kann dabei auftanken. Eigentlich im Gegensatz dazu – aber für mich nicht weniger wichtig – brauche ich Zeiten für mich alleine. Sehr gerne bin ich mal einfach alleine Zuhause und schätze es, etwas zu «nüschele».

Rahel: Ich wohne in einer WG mit vier Frauen und liebe es, wenn etwas läuft. Ich habe sehr gerne Gemeinschaft und es tut mir gut, mit Freunden über meine Gefühle, über das, was mich beschäftigt, zu sprechen. Ich schätze diesen Austausch – das Herz zu teilen – sehr.

 

Manchmal führe ich dann auch laute Gespräche mit Gott oder aber ich höre eine Predigt.

Kumari

 

Kumari: Ich nehme mir bewusst Zeiten der Ruhe / der Stille. Ich mag es sehr, wenn es still ist. In der Ruhe kann ich Kraft tanken. Manchmal führe ich dann auch laute Gespräche mit Gott oder aber ich höre eine Predigt. Im Sommer ist ausserdem der Garten mein Ausgleich.

Tina: Mein Ausgleich ist es, Zeit für mich alleine zu haben (was im Moment etwas rar ist). Wenn sich so eine seltene Gelegenheit findet, stecke ich meine Nase gerne in ein Buch – ich liebe es, zu lesen. Ausserdem arbeite ich sehr gerne im Garten.

 

Zur Ruhe kommen hat mit Ausruhen zu tun, aber nicht nur. Wie kannst du auch auf anderen Ebenen (seelisch, geistlich, gedanklich) zur Ruhe kommen?

 

Rahel: Ich mache selbst Musik oder höre sie auch sehr gerne, und in Worship-Zeiten, in denen ich Gott anbeten kann, finde ich Ruhe. Auch auf Spaziergängen in der Natur kann ich durch Gebet zur Ruhe kommen. Durch Worship oder Gebet-Spaziergänge erlebe ich, wie sich Gottes Frieden in meinem Herzen ausbreitet.

Tina: Mein Zugang ist ebenfalls der Worship. Es kommt vor, dass mich Liedtexte direkt ansprechen oder mir ein Lied immer wieder durch den Kopf geht und ich plötzlich merke, dass der Text perfekt zur Situation passt, in der ich mich befinde. Lieder sprechen oft zu mir. Ich freue mich extrem, wenn der Worship wieder «live» in der HOPE & LIFE CHURCH erlebbar sein wird!

Wenn ich dankbar bin für das, was ich habe, werde ich zufrieden und ruhig.

Nadine

Nadine: Dankbarkeit ist für mich etwas Wichtiges. Wenn ich dankbar bin für das, was ich habe, werde ich zufrieden und ruhig. Ebenfalls ausruhen kann ich mit Worship. Dabei kann ich in die Gegenwart Gottes eintauchen und mich auf Gott fokussieren.

Kumari: Ich kann mich gut entspannen, indem ich eine Kerze anzünde, es mir gemütlich mache und eine Predigt höre.

Diese Frauen waren am Gespräch dabei

Tina: 38-jährig /Mutter von drei Kindern / Beruf: Kauffrau / Hobbies: kreativ sein und Gartenarbeit

Nadine: 30-jährig / Beruf: med.Praxisassistentin / Hobbies: Plotten, Wandern

Rahel: 23-jährig / Beruf: Pflegefachfrau i.A. / Hobbies: Gemeinschaft mit anderen Menschen, Musik, kreativ sein.

Kumari: 47-jährig / Mutter von zwei Kindern / Beruf: Kosmetikerin EFZ / Hobbies: Lesen, Wandern, Reisen und Zeit mit Freunden verbringen.