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Als verantwortlicher Gemeindeleiter schreibe ich an meinen Freund Gajus, mit dem ich durch die Wahrheit verbunden bin. Lieber Gajus! Ich hoffe, dass es dir gut geht und du an Leib und Seele so gesund bist wie in deinem Glauben. Ich habe mich sehr gefreut, als einige Brüder zu mir kamen und berichteten, wie treu du zu Gottes Wahrheit stehst und dass du dein Leben ganz von ihr bestimmen lässt. Für mich gibt es keine größere Freude, als zu hören, dass alle, die durch mich Christen geworden sind, ihr Leben ganz an der Wahrheit ausrichten.

3. Johannes 2-4

Behandle dich selbst liebevoll – das war das Thema unseres Gesprächs. Vier Frauen haben über diesen Begriff gesprochen. Sie haben ausgetauscht, was sie im Bibelabschnitt aus 3. Johannes 1-4 angesprochen hat und wie sie Dinge davon in ihrem Alltag leben. Daraus entstanden ist ein kostbarer Text aus dem Leben dieser wunderbaren Frauen.

Was hat euch Gott zu dieser Bibelstelle gesagt oder welcher Vers hat euch als Erstes angesprochen?

Sonja: Gerade zu Beginn des Briefes erkundigt sich Johannes, ob es Gajus gut geht. Also nicht nur körperlich sondern auch seelisch. Heutzutage fragt man: „Wie geht es dir?“, interessiert sich aber nicht wirklich dafür. Johannes hat es nicht nur oberflächlich gemeint, sondern wollte es wirklich wissen. Das finde ich bewundernswert. Wir fragen oft nach dem Befinden, möchten es aber dann nicht wirklich wissen.

Sarah: Mir ist vor allem der 4. Vers geblieben. Für Gott gibt es keine grössere Freude, als wenn Seine Kinder Ihm treu in der Wahrheit folgen.
Regula: Das Anteilnehmen an Gajus hat mich sehr angesprochen.  „Wie geht es dir?“ gehört heute oft zu unserer Umgangssprache. Ich selber möchte in diesem Bereich auf mein Gegenüber eingehen können und mir bewusst auch die Zeit nehmen, so dass es nicht bei einem oberflächlichen „wie geits?“ bleibt.
Wir haben von Gajus gehört. Es geht um Seele, Leib und Geist. Worauf achtet Ihr oder was hilft euch, dass diese drei „Tanks“ aufgefüllt und im Gleichgewicht sind?
Sarah: Ich merke sehr schnell, wenn ich im Ungleichgewicht bin. Ob ich nun innerlich den Frieden habe oder aufgewühlt bin – mir hilft es mir immer, wenn ich spazieren gehe. Im Sommer gehe ich gerne für mehrere Tage wandern. Einfach draussen sein, in der Natur, da bin ich Gott ganz nah. Das hat eine besondere Wirkung auf mich und ich realisiere schnell, wie Gott alles so gut durchdacht hat. Schon in der kleinsten Blume kann ich Seine Schöpfung erkennen und das versetzt mich immer wieder ins Staunen. Probleme werden plötzlich unbedeutend, wenn du die ganze Schöpfung vor Augen hast. Das Gleichgewicht in diesen drei Tanks muss stimmen. Wenn ein Tank leer ist, geht es automatisch den beiden anderen auch nicht gut, alle drei müssen im Gleichgewicht sein.
Ist das Spazieren etwas, das du für dich alleine machst?
Sarah: Je nachdem, was ich gerade brauche. Ich geniesse sowohl das Alleinsein wie auch die Gesellschaft meiner Kolleginnen. Aber meistens bin ich gerne für mich. Ich wohne in Hasle-Rüegsau in der WG „Housy“ und habe dadurch ständig Leute um mich. Deswegen bin froh, wenn mal Stille herrscht.

Ich merke sehr schnell, wenn ich im Ungleichgewicht bin. Ob ich nun innerlich Frieden habe oder aufgewühlt bin – mir hilft es mir immer, wenn ich spazieren gehe, da bin ich Gott ganz nah.

Sarah

Sonja: Mir geht es ähnlich. Die Natur hilft mir meistens, meinen Tank aufzufüllen. Ich muss dabei nicht immer alleine sein. Auch ein Gespräch mit jemandem kann mich sehr bereichern.
Regula: Alle drei Tanks fliessen bei mir ineinander und falls einer nicht gefüllt ist, fühle ich mich schnell unausgeglichen. Ich muss bewusst dran bleiben, um sie auf eine gesunde Art aufzufüllen. Mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich das am besten mache. Ich bewege mich gerne in der Natur, setzte mich irgendwo hin und bestaune, was Gott alles gemacht hat. Da kann ich auftanken. Anfangs Januar habe ich diesen Virus eingefangen und wurde gezwungenermassen in die Isolation verbannt. Im ersten Moment dachte ich: „Hoppla, jetzt werde ich eingesperrt und darf nicht mehr nach draussen gehen.“ Aus den 10 Tagen Quarantäne wurden mehr und ich spürte, wie Gott mich schon länger in die Ruhe gerufen hat, aber ich habe Ihn nicht gehört oder wollte ihn nicht hören. Es war ein spannendes Erlebnis und mir wurde bewusst, dass Gott ein liebevoller Gott ist und mich in diese Ruhe einladen will. Auch wenn ich mich nicht fit fühlte und mir der Antrieb oft fehlte, habe ich diese Zeit mit Gott genossen und durfte einfach seine Gegenwart geniessen. Rückblickend sehe ich diesen Abschnitt als Segen und Geschenk. Aus dieser Zeit entstand bei uns im Haus ein «Rückzugszimmer» das wir neu eingerichtet haben. Ein Zimmer der Stille, des Rückzugs und des Auftankens.
Therese: Ich bin absolut kein „Morgenmensch“. Routinemässig brauche ich nach dem Aufstehen eine Stunde Zeit für mich zum Ankommen und eine Tasse Kaffee. Die Stille Zeit mit Gott gehört seit Längerem auch zu dieser Stunde und ich merke, wie ich dadurch langsam in die Gänge komme. Dies praktiziere ich unter anderem im Zug, wenn ich zur Arbeit fahre. Ich lese dann meist einen Bibelleseplan auf Youversion mit ein oder zwei Versen aus der Bibel. Das gibt mir wirklich Kraft und ich nehme das Gelesene mit in meinen Alltag. Es hilft mir wirklich sehr,  so richtig durchzustarten. Ein anderer Zugang ist für mich die Musik, bei der ich Gottes Anwesenheit spüre. Da geht mein Herz auf und ich vergesse das ganze Drumherum. Im Worship kann ich all meine Lasten und Zweifel abgeben.

Ein anderer Zugang ist für mich die Musik. Im Worship kann ich all meine Lasten und Zweifel abgeben.

Therese

Die Tanks füllen tut man in erster Linie für einen selbst. Was bedeutet es für euch, wenn ihr liebevoll mit euch umgeht?
Sonja: Dadurch bin ich im Alltag zufriedener.
Therese: Auf der Arbeit gibt es so manche Herausforderung. Man ist vielleicht in einer Situation, wo man schnell reagieren muss und im Nachhinein bereut man die eigene Reaktion. Daher kann es helfen, wenn man es kurz stehen lässt und einmal tief durchatmet.
Sarah: Je ausgeglichener ich selbst bin, desto leichter fällt es mir im Alltag. Je ungeduldiger ich bin, umso mehr zeigt sich, dass es jemanden wahllos trifft. Vor allem am Morgen. (alle lachen)
Regula: Da können wir uns alle zusammentun.
Therese: Ja, wirklich.
Sarah: Morgens, kurz nach dem Aufstehen brauche ich Zeit für mich. Ich kann gut etwas für jemanden machen, kein Problem. Wir können auch zusammen einen Kaffee trinken. Aber am besten lässt man mich ein bisschen in Ruhe und diskutiert nicht mit mir.
Nein im Ernst: Wenn ich am Morgen meine Zeit nicht hatte, merke ich im Alltag dann, dass ich schnell ungeduldig werde und die Balance nicht mehr gegeben ist.
Sonja: Wenn ich Nachtwache habe und ich die Zeit nicht vorher Gott übergebe, merke ich, dass ich weniger geduldig bin, als wenn ich mich auf dem Arbeitsweg an Gott wende. Dann habe ich mehr Geduld mit den Bewohnern. Sie sind auch viel ruhiger, sie spüren meine innere Ruhe irgendwie auch.
Regula: Liebevoll mit mir umzugehen ist ein Gewinn für mein Umfeld, meine Familie.  Wenn ich ungeduldig werde oder mich anklage, dann rüttelt es um mich her. Meine Unzufriedenheit kann ich dann gut bei meinem Gegenüber auslassen, und dies ist ja dann nicht wirklich das, was ich gerne möchte.

Liebevoll mit mir umzugehen ist ein Gewinn für mein Umfeld.

Regula

Was hat der Umgang mit euch selbst für eine Auswirkung in eurem Umfeld? Wie nehmt ihr das in euren Alltag?
Therese: Bei Stresssituationen auf der Arbeit hilft mir ein Stossgebet, wo ich Gott um Ruhe und Hilfe bitte, dass ich die Situation dank Ihm meistere. Mir hilft das enorm, so kann ich die richtigen Worte finden und kann dabei gelassen bleiben.
Sarah: Auf der Arbeit gibt es auch bei mir herausfordernde Situationen, in denen ich jemanden am liebsten auf dem Mond schiessen würde oder wo es mir gerade nicht gut geht. Es gibt Situationen, in denen du nicht stressen kannst. Zum Beispiel trinkt ein Kind dann aus der Flasche, wenn es trinken will. Und wenn es die Tablette nicht schlucken will, dann umsorgst du es, auch wenn es nervt. In diesen Momenten hilft es mir, zu beten. Es hilft mir, in der Situation zur Ruhe zu kommen und zu überlegen, bevor ich reagiere. Auch wenn es nur ein kurzes Gebet ist, ändere ich den Fokus und denke nochmals darüber nach. Ich kann die Worte gezielter wählen als im Affekt. Es hilft mir, mich zu sammeln und alles zu sortieren. Auch dem Kind gebe ich dadurch die Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen.
So wie du reagierst, so reagiert das Kind auf deine Aktion. Du signalisierst dem Kind: „Ich habe Zeit.“ Du bleibst ruhig, und das spürt das Kind.
Sonja: Es gibt Momente, da bin ich angespannt und merke dann, dass ich nicht richtig reagiert habe. Dann hilft es mir, wenn ich es bewusst ablegen kann. Zum Beispiel spreche ich meine Arbeitskollegin nochmals an und frage sie, wie sie das gemeint hat. Oder wenn es Unstimmigkeiten gegeben hat, entschuldige ich mich bei ihr, wenn meine Reaktion nicht passend war. So wie Sarah schon gesagt hat: Wenn ich selbst ruhig ist, sind die Bewohner auch ruhig und wenn ich aufbrausend bin, dann steckt man sich gegenseitig an.

Wenn es Unstimmigkeiten gegeben hat, entschuldige ich mich bei ihr, wenn meine Reaktion nicht passend war.

Sonja

Was ich jetzt aus dem Gespräch raushöre ist, dass ihr euch selber treu bleibt. Ihr versucht die Wahrheit, die Gott uns gibt, zu leben und den Fokus darauf zu lenken, das ist etwas, was euch festen Boden unter euren Füssen gibt. Er gibt euch Halt, ihr könnt euch in einer Ruhe einer Herausforderung stellen und Er hilft euch.
Sarah: Genau, es ist eine sichere Grundlage. Gott hört mein Anliegen, versteht mich und hilft mir weiter. Egal, wie verzwickt die Situation ist, auch wenn du keinen Ausweg siehst oder am liebsten davonlaufen möchtest, trägt dieser Glaube. Du hast zwar keine Ahnung wie weiter, aber du hast den Glauben.
Gajus hat das gemacht, was Gott ihm nahelegte. Er hat sein Haus für andere geöffnet. Wenn Gott zu euch spricht oder ihr spürt, dass ihr etwas tun sollt, das Gott euch ganz persönlich aufs Herz legt, ist das etwas, das euch leicht fällt oder ist es etwas, was ihr lieber auf die Seite legt und das Gefühl habt: „Nein, nicht ich!“?
Therese: Als ich vor Jahren das Gefühl hatte, dass ich in der Kirche mithelfen möchte, habe ich mich mit Andrea Blaser getroffen. Sie hat mich gleich in der Band gesehen und gefragt, ob ich ein Instrument spiele. Ich spiele schon seit ich klein bin Klavier, aber dass ich auf der Bühne stehe und vor anderen Leuten auftrete, das konnte ich mir gar nicht vorstellen. Dafür bin ich nicht gemacht, bin doch eher eine introvertierte Person, kein Entertainer, das das Haus zum „rocken“ bringt. Mit Andreas Idee bin ich nach Hause, habe mir die Zeit genommen und es schlussendlich Jesus hingelegt. Ich habe Ihn gezielt gefragt, ob das Sein Plan für mich sei, denn ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Ich war etwas verunsichert und überfordert mit diesem Vorschlag. Und plötzlich hatte ich einen inneren Frieden und mir wurde klar, dass ich gute Voraussetzungen habe, um mitzuhelfen: Ich spiele Klavier und probiere gerne neue Sachen aus (Technik und Sounds). Gut, sagte ich mir, dann schlage ich den Weg ein. Und es war die beste Entscheidung, die ich machen konnte. Es hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und ich bin im Glauben weitergekommen.
Sarah: Es kommt immer darauf an, ob es etwas ist, das ich gerne mache, dann fällt es mir auch einfach, den Weg zu gehen. Falls es doch etwas ist, was mir nicht liegt, dann bin ich eher geneigt abzuwarten und zu schauen, ob Gott mich wieder darauf aufmerksam macht.
Regula: Häufig habe ich Blitzgedanken, die ich entweder vor mir hertrage oder gleich umsetze. Gerade im letzten Jahr ist mir plötzlich ein Name durch den Kopf gegangen und ich hatte das Gefühl, dass Gott mir sagt: „Schreib doch mal und frag mal nach, wie es dieser Person geht.“
Sonja: Ich gehe seit kurzem in ein Mentoring, weil mich etwas seit Längerem beschäftigt. Das hat mich erstmal Überwindung gekostet, um mich überhaupt anzumelden. Schlussendlich bin ich froh, dass ich es gewagt habe, denn es hat mir gut getan.
Habt ihr noch ein Schlusswort, etwas auf dem Herzen in Bezug auf den Vers oder worüber wir ausgetauscht haben, was euch wichtig ist?
Sarah: Ich finde es spannend, dass es uns allen ähnlich geht.
Sonja: Ich will im Alltag bewusst jemanden nach seinem Befinden fragen, die Antwort abwarten, nachhaken wenn etwas ist und fragen, was den anderen bedrückt.
Therese: Es ist schön zu wissen, dass Gott immer bei mir ist, egal in welcher Situation. Im Alltag, wenn ich das Gefühl habe, die Decke fällt mir gleich auf den Kopf, ist Gott da und hilft mir. Er hält Seine schützende Hand über mich, und diese Erkenntnis ist das Grösste überhaupt.
Regula: Die unglaubliche Freude, die Gott an mir hat. Diese Freude, die Gott mir geschenkt hat, darf ich weiterschenken und Anteil nehmen am Nächsten. Ich habe genug, um weiterzugeben und im gleichen Mass darf ich zu mir selber schauen. Mit Gott zusammen kann ich die Tanks auffüllen. Manchmal stolpere ich, wenn ich mich mit anderen Menschen vergleiche. Dann kommen mir Gedanken wie: „Ich muss doch jetzt… Die anderen schaffen das ja auch… Ich sollte doch jetzt auch…“ Dadurch vernachlässige ich meine drei Tanks und bin antriebslos. Wenn ich aber zur Ruhe komme nehme ich die sanfte Stimme Gottes wahr: „Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Du darfst für dich schauen und ich schaue mit dir zusammen, dass alles gut geht.“ Und ich gebe dann zur Antwort: „Ja, ist gut. Ich lege den Gedanken wieder beiseite.“ Es spielt absolut keine Rolle, was ich alles schaffe oder eben nicht, denn Gott gibt mir Freude, so dass ich genug habe, um mit anderen das Leben zu teilen und Anteil an ihrem Leben zu nehmen. Das ist etwas, das für mich wichtig geworden ist.
Vielen Dank euch allen für diese spannende Runde und ich hoffe, dass wir uns bald Live über den Weg laufen werden.

Diese Frauen waren am Gespräch dabei

Sarah: 38-jährig/ Beruf: Dipl.Pflegefachfrau / Hobbys: Wandern, Skifahren, Reisen

Sonja: 31-jährig / Beruf: FaBe (Behindertenbetreuung) / Hobbys: singen, spazieren, wandern

Regula: 46-jährig / Beruf: Hausfrau und MPA / Hobbys: mich in der Natur aufhalten und bewegen, lesen

Therese: 37-jährig / Beruf: Empfang Optikergeschäft / Hobbys: Musik und Häkeln

 

Redaktorin: Therese